Karrierekiller Tattoo

Nick hat seit einem halben Monat einen exzellenten Studienabschluss in der Tasche und in den nächsten Wochen drei Vorstellungstermine. Klingt nach Jackpot? Nein! Denn Nick ist momentan ziemlich verzweifelt. Der Grund hierfür schmückt sein linkes Handgelenk: Dort spricht ihm seit seinem achtzehnten Lebensjahr der geschwungene Schriftzug „Courage“ Mut zu. Ein Tattoo quer über die Pulsader gestochen erinnert ihn seither permanent daran, niemals die Hoffnung zu verlieren. Doch gerade aufgrund dieses Tattoos ist Nick momentan ziemlich hoffnungslos.

 Ist in der heutigen Zeit ein Tattoo im Berufsleben wirklich ein Karrierekiller?

Obwohl laut Statistik jeder Fünfte in Deutschland ein Tattoo trägt, wird diese Art von Körperschmuck nicht in allen Bevölkerungsschichten akzeptiert. Noch immer gibt es Menschen, die mit Tätowierungen das Hafen- bzw. Kriminellen Milieu assoziieren. Besonders Staatsdiener, Beamte, Angestellte in der Hotellerie sowie Flugbegleiter sollten ihr Tattoo mit Kleidung verdecken, da in diesen Branchen erwartet wird, nach außen hin eine gewisse Seriosität zu vermitteln.

Als Künstler oder im Sozialbereich wird man aber heutzutage selten Probleme aufgrund eines Tattoos bekommen.

Ein Tattoo im Berufsleben verbieten – ist das überhaupt rechtens?

„Ach was“, tröstet Kevin seinen Freund Nick, „man kann dir nicht wegen eines Tattoos einen Arbeitsplatz verwehren. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz besagt nämlich, dass man aus weltanschaulichen Gründen nicht benachteiligt werden darf.“ Aber Nick geht darauf gar nicht ein. Denn als Jurist weiß er, dass es schwierig bis unmöglich ist nachzuweisen, dass man aufgrund eines Tattoos aus der Bewerber Reihe ausgeschieden ist.

Außerdem hat der Arbeitgeber ein Mitbestimmungsrecht in Bezug auf das Outfit seiner Angestellten, wenn diese in gewissen Kundenkreisen oder in der Öffentlichkeit das Unternehmen repräsentieren.

Warum wird ein Tattoo im Berufsleben heute immer noch abgelehnt?

Als Nick vor vier Jahren sein Tattoo stechen ließ, bezichtigte ihn sein Vater als narzisstischen Egomanen, der auf seinem Individual Trip gar nicht merke, dass er in Wirklichkeit nur einem Massentrend folge. Der Haussegen hing damals ziemlich schief, da sich Nicks Tattoo kaum durch Kleidung verdecken ließ.

Tatsächlich möchten manche Arbeitgeber vermeiden, dass ein Angestellter oder ein Beamter den Beruf als Plattform zur Selbstdarstellung missbraucht. Im Falle einer abgelehnten Darmstädter Bewerberin für den gehobenen Polizeivollzugsdienst hatte das dortige Verwaltungsgericht ein großflächiges Tattoo der jungen Frau als „Zeichen eines gesteigerten Erlebnisdrangs“ und als „überzogene Individualität“ gewertet.

Tattoos unter Kleidung verdecken

Wer dem Modetrend unbehelligt folgen will, wählt also besser eine Stelle am Körper aus, wo sich in jedem Fall ein Tattoo durch Kleidung verdecken lässt. Dennoch sollte man bedenken, dass dunkle oder farbintensive Tätowierungen durch dünne Hemden durchscheinen können. In diesem Fall ist eine hautfarbene Unterwäsche nötig. Bei kleinen Flächen reicht ein hautfarbenes Pflaster.

Durch Farbpigmente ein Tattoo verdecken

Als Nick das Make-up seiner Freundin ausprobiert, muss er feststellen, dass dies zu wenig Deckungskraft besitzt. Also geht er in einen Drogeriemarkt, um ein probates Mittel zu erwerben. Auf Nachfrage bei einer Angestellten erntet er jedoch nur ein verständnisloses: „Daran hätten Sie mal früher denken sollen.“ Auf seine verzweifelte Frage in einem Internetforum bekommt er jedoch einige Tipps: Es gibt für Menschen mit auffälligen Narben oder eben mit Tattoos ein spezielles Camouflage Make-up, dessen hoher Pigmentanteil gut abdeckt. Dazu soll zuvor ein sogenannter Neutralizer aufgetragen werden, damit bestimmte Farben des Tattoos für eine gewisse Zeit verblassen.

Andere Forenmitglieder empfehlen Theaterschminke, wieder andere eine Kombi aus Camouflage und Theaterschminke. Sicher ist auf jeden Fall, dass das Auftragen dieser Produkte viel Zeit erfordert.

Die Lasermethode als Alternative

Ein weiterer Forenteilnehmer rät, das Tattoo weglasern zu lassen. Das sei aber genauso schmerzhaft wie der Tätowierungsvorgang selber.

“Quatsch!”, verbessert daraufhin ein anderer Ratgeber. Es gebe da ein neues Gerät, dessen Anwendung schmerzfrei sei. Die Kosten für die Entfernung beliefen sich dabei zwischen 1000 und 1500 Euro – also auch nicht teurer als die frühere Lasermethode.

Fazit

Nicks Plan steht fest: Er will das Tattoo verdecken, indem er zu den Vorstellungsterminen einen unauffälligen Verband tragen wird. Auf eventuelle Nachfragen hat er schon eine Notlüge parat: Eine Sportverletzung im Handballtraining. So kann er wenigstens als einsatzfreudiger Mannschaftssportler punkten. Das ziehe bei Vorstellungsgesprächen, hat er sich sagen lassen. Im Anschluss wird Nick aber schleunigst dafür sorgen, dass seine Jugendsünde weggelasert wird. Seinen Mut wird er gerade deshalb nicht verlieren.